Neuer Bosch Performance Line CX Antrieb

Test: Bosch Performance Line CX – Was kann der neuer Bosch E-MTB Antrieb?

Nachdem Bosch 2015 die erste Generation des Performance Line CX Antriebs auf den Markt brachte, gehörten sie bald zu einem der Marktriesen für Pedelec-Motoren und Systeme. Von Beginn an setzte Bosch auf ein Komplettpaket, welches nicht nur perfekt abgestimmte Funktion, sondern auch einen unkomplizierten Service versprach. Da Motoren und Akkus in den letzten Jahren immer leichter, besser zu integrieren und gleichzeitig auch noch leistungsfähiger wurden, wurde es für den Giganten Zeit nachzuziehen: Die neueste Generation (2020) des Bosch Performance Line CX wurde geboren! Mit einem 625 Wh Akku, und einem verbesserten, natürlicheren Fahrgefühl der Motoren, konnte der Bosch Antrieb bereits allerlei Fahrradmarken von sich begeistern und wird in zahlreichen 2020er Modellen verbaut. Nick hat sich auf das neue Trek Rail geschwungen und den neuen E-Bike Antrieb auf die Probe gestellt.

Als Besitzer eines 2019er Trek Powerflys, konnte ich es kaum abwarten all die neuen Features des 2020er Modells und insbesondere den neuen Bosch Performance Line CX Antrieb auf Herz und Nieren zu prüfen. Was dabei herausgekommen ist, und wie der neue Alte Antrieb aus dem Hause Bosch performt, könnt ihr in den folgenden Zeilen lesen.

Facts der neuen Bosch Antriebsgeneration:

  • 340% Unterstützung, statt zuvor 300%
  • Unterstützung von 250 W bei 75 Nm
  • dank Magnesiumgehäuse ist das System nur noch ca. 2,9 kg schwer, während das System der vorherigen Generation mit <4 kg angegeben wird
  • 4 Fahrmodi
  • überarbeitete Modi, mit weniger explosiver Beschleunigung, aber dennoch erhöhter Unterstützungsleistung
  • die Unterstützungsgrenze von 25 km/h erreicht man weniger abrupt, was den Fahrfluß fördern soll
  • Sensoren erkennen während der Fahrt Störungen sofort und verhindern so unter anderem Tuning
  • optimierte und anpassungsfähige Schiebehilfe
  • 625Wh-Akku
  • Der Q-Faktor wurde auf 175 mm reduziert, dies ermöglicht ein natürlicheres Tretgefühl. Desto niedrigerer der Wert, desto natürlicher soll das Fahrgefühl sein.

Ablauf des Tests und Gegebenheiten

Ich durfte über die Weihnachstage und Silvester ein brandneues Trek Rail 9 Mod. 2020 mit Performance Line CX System für ca. zwei Wochen ausgiebig testen. Das Bike war mit Größe L für mich und meine 1,75 m einen Tick zu groß, weshalb ich extrem gespannt auf die Performance war. Als HIBIKE-Gravity Teamfahrer fahre ich im Regelfall ein Trek Slash oder ein Trek Fuel EX. Aufgrund dessen sollte mir die Geometrie des Bikes aufjedenfall bekannt sein.
Getestet wurde das Bike so, wie es ab Werk angeliefert wird. Sowohl Motor, als auch Akku waren brandneu.

Im Testgebiet standen hauptsächlich flowige aber auch rumpelige Singletrails auf der Tagesordnung. Neben einfachen Forstwegen, fuhr ich auch auf technisch anspruchsvollen Trails bergauf. Das Wetter war typisch für den Dezember, meistens nass und kalt. Bezüglich der Akkulaufzeit sind meine fahrfertigen 85 kg bestimmt auch sehr interessant.

Trek Rail 9 2020 – First look and ride

Zunächst einmal einen Blick auf das Bike werfen. Der Akku wirkt gut integriert. Dies war zwar bereits bei dem Vorgänger, dem Trek Powerfly, der Fall, dennoch ist besonders der Motor als deutlich schlanker und geformter wahrzunehmen. Während beim Vorgänger ein deutlicher Formbruch des Rahmens durch den Motor zu sehen war, schmiegt sich der Motor beim Trek Rail passend in die Form des Rahmens ein. Dieser kann über ein Schloss im Rahmen und eine Halterung oberhalb des Akkus herausgenommen werden.

Der Bosch Motor ist gut sichtbar hinter der Kurbel verbaut und mit einem relativ kleinen Schutz versehen, weshalb mir sofort der Gedanken kam, dass es wohl schwer sein könnte, den Motor sauber zu halten. Auf den ersten Blick wirkte dies bei der vorherigen Generation besser geregelt. Ich gehe jedoch davon aus, dass dies zwangsläufig durch die Kühlung des Motors bedingt ist. Positiv ist mir auch das Standard-Kettenblatt aufgefallen. Juhu, man kann nun auch eine anständige Kettenführung fahren! Die ersten Pedalumdrehungen konnten mich sofort begeistern. Ich hatte schon auf der Straße das Gefühl besser unterstützt zu sein. Da diese Erfahrung wenig aussagekräftig ist, wollte ich nun umso schneller in den Wald.

Der neue Bosch Motor ist leider nicht leiser geworden, im Gegenteil, ich nahm das System eher lauter wahr, als Motoren des vorherigen Modelljahres der Performance Line CX.
Tatsächlich ist das Bosch Antriebs-System um knapp ein Kilogramm leichter geworden! Dennoch ist das Trek Rail 2020 mit etwas über 23 kg immernoch recht schwer, was nicht zuletzt am Aluminium Rahmen und den großen 29″-Laufrädern mit Schläuchen liegt.

Und jetzt? Trails ballern!

Meine erste Tour startete ich in dem namensgleichen Tour-Modus. Recht flache Forstwege konnte ich problemlos mit der Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h fahren, ohne dabei viel Anstrengung zu verspüren. Selbstverständlich testete ich auch direkt, die laut Hersteller verbesserte, Grenzüberschreitung der 25 km/h, und musste zu meinem Erstaunen feststellen, dass sich hier tatsächlich einiges getan hat. Ganz kurz, bevor die 25 km/h erreicht werden, schaltet die Unterstützung gleichförmig herunter, wodurch man den Unterstützungsabbruch als nicht allzu abrupt wahrnimmt. Irgendwie cool! Zuvor hatte man an besagter Grenze oft einen Bruch des Fahrflusses verspürt, was besonders im Trail sehr nervig sein konnte. Dies ist nun definitiv besser gelungen und sorgt für ein natürlicheres Fahrgefühl! Am ersten steilen Anstieg angekommen, schaltete ich in den Turbo-Modus. Die Unterstützung ist deutlich stärker wahrzunehmen als im vorherigen Tour-Modus. Dennoch hatte ich ebenfalls das Gefühl weniger abrupt unterstützt zu werden, als dies noch bei der vorangegangenen Generation der Performance Line der Fall war. Hier hat Bosch defintiv Wort gehalten. Insbesondere im Trail-Uphill ist mir dies sehr positiv aufgefallen, da man an technischen Stellen nicht ruckartig angeschoben wird, sondern die Unterstützung eher gleichförmig stattfindet. Im Punkto Geometrie könnte beim Rail meiner Meinung nach jedoch auf eine etwas längere Kettenstrebe gesetzt werden. Bei Trailelementen wie Stufen oder Steinen stieg das Vorderrad gerne mal etwas an. Das Pedelec verfügt auch über eine optimierte Schiebehilfe, die sich in Sachen Geschwindigkeit und Anfahrverhalten an die Steigung anpasst. Jenes funktionierte bei mir auf Anhieb gut, auch wenn es das letzte Mal sein sollte, dass ich diese Funktion genutzt habe. Es ist ja schließlich ein Fahrrad!

Aber nun zur Abfahrt! Mein Eindruck der Abfahrt deckt sich weitestgehend mit dem bereits Gesagten. Ich konnte während der ersten Abfahrt auch keine Geräusche des Akkus wahrnehmen, was für einen anständigen Halt im Rahmen spricht. Nach der ersten Tour wurde es dann auch Zeit, die 625 Wh des Akkus zu prüfen. Ich startete also eine Tour im Turbo-Modus mit Open-End. Wie weit ich gekommen bin? Ganze 30 km und 1.000 hm bei einem Schnitt von 20 km/h konnte ich fahren bis der Akku nur noch einen Balken Akkuladung angezeigte. An diesem Punkt habe ich dann den Heimweg angetreten. Mit etwas mehr Risikobereitschaft und nicht ganz so vielen extrem steilen Uphills wären 40 km sicher möglich gewesen. Für mich ist dies ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis im Vergleich zum alten 500 Wh Akku, vor allem wenn man bedenkt, dass der Test im kalten Winter stattgefunden hat und die Bodenbedingungen auch denkbar schlecht waren. Die geringe Akkuleistung von 500 Wh hatte mich bei meinem Powerfly zuletzt am meisten gestört.
Leider kassierte ich während meiner Touren des Öfteren einen Spruch oder einen bösen Blick seitens Fußgängern. Dies ist man als E-Biker zwar meistens schon gewohnt, doch evtl. durch den recht lauten Motor bedingt, kam dies gefühlt relativ oft vor. An überfüllten Wandersonntagen empfand ich es deshalb auch als extrem unangenehm mit dem E-MTB im Wald unterwegs zu sein.

Vor- und Nachteile des Bosch Performance Line CX Antriebes:

Pro Con
+ hohe prozentuale Unterstützung schlechte Natur- und Sozialverträglichkeit durch hohe Geräuschkulisse
+ natürlicheres Fahrgefühl (im Vegleich zum Vorgänger)
+ erhöhte Reichweite durch 625 Wh Akku

Bei HIBIKE kaufen:
Trek Rail

Fazit zum neuen Bosch E-Bike System

Meiner Meinung nach hat Bosch einen notwendigen Schritt in die richtige Richtung gemacht, insbesondere im Punkto Akkuleistung. Auch wenn es bereits Motoren mit wesentlich mehr Drehmoment gibt, hatte ich nicht das Bedürfnis nach mehr Unterstützung. Umso begeisterter bin ich, dass Bosch diesen Trend nicht mitgeht, und stattdessen an der Performance der gleichnamigen CX Line arbeitete. Das Ansprechverhalten hat sich deutlich verbessert und fühlt sich viel natürlicher an. Wenn jetzt noch etwas an der Lautstärke und noch etwas an dem Gewicht gearbeitet wird, bin ich wunschlos glücklich!

Nick Willner
Ein Beitrag von: Nick Willner – Dualer Student & Hibike Gravity Team

3 thoughts on “Test: Bosch Performance Line CX – Was kann der neuer Bosch E-MTB Antrieb?

  1. Diese erbärmliche Lautstärke kann ich zu 100% unterschreiben, zwar war meine „Probefahrt“ mit einem Cube Stereo 160 TN (das ich vorbestellt habe) aber die Lautstärke (bzw. das erbärmliche Jaulen) war ein absolutes Nogo! daher hab ich das Rad auch nicht gekauft.

    Habe mich dann für ein Rotwild RX 750 entschieden, Brose Mag Motor ist deutlich leiser/tiefer und mit 750Wh Akku spielt in einer anderen Liga, bin vom Bosch CX 4.0 trotz jahrelanger Erfahrung mit Bosch / HaiBike und 612er Akku total enttäuscht und kann nur jedem Kunden raten auch mal einen Brose Mag in einem Rotwild, Bulls oder Levo zu testen!

      1. Hallo Alfred, hallo Sascha,

        danke für eure Erfahrungen. Meiner Meinung nach gibt es nicht das perfekte Bike für Jedermann. Manchen mag die Lautstärke stören, manchen nicht, dieser legt dann aber mehr Wert auf das Fahrgefühl und immer so weiter… Deshalb versuchen wir neue und innovative Produkte in unserem Blog vorzustellen und euch so eine zweite Meinung zu einem Produkt mitzugeben. Manch einem hilft dies im Zweifelsfall bei der Suche nach dem richtigen Bike, Protektor oder ähnlichem, ein wenig weiter.

        Liebe Grüße und stay safe,
        Nick – Hibike Marketing

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.