Bike Frühjahrs-Check

Frühjahrs-Check - Ist dein Bike bereit für die neue Saison?

Erst prüfen, dann losfahren:
So machst du dein Fahrrad fit für die neue Saison

Die ersten warmen Sonnenstrahlen kündigen den Frühling an. Es ist so weit: Raus mit dem Bike aus dem Keller! Insofern dein Bike überhaupt „Winterschlaf“ gehalten hat… Aber halt, jetzt ist es erstmal an der Zeit Frühjahrsputz am Fahrrad zu halten! Oder gehörst du zu denen, die stolz von sich behaupten können, den Winter fleißig durchgefahren zu sein? Bei Wind und Wetter muss dein Bike mit dir raus? Gut so! Aber auch dann solltest du dem Schmuckstück mal einen kurzen Check-up gönnen.

So sollte dein Rad nicht aussehen

So sollte dein Rad nicht aussehen

Sind wir mal ehrlich: Für die meisten unter uns ist das Fahrrad nicht irgendein Fortbewegungsmittel auf zwei Rädern, es ist ein Sportgerät – und für viele eine Leidenschaft. Umso wichtiger ist es, dass es von Zeit zu Zeit einem kleinem Check unterzogen wird.
Hat sich über den Winter durch die Lagerung im Keller oder in der Garage (oder in der Wohnung) irgendwo Rost eingeschlichen? Wie schaut die Bremse aus und wie gut ist das Reifen-Profil? Um dir einen genauen Blick verschaffen zu können, empfiehlt sich erstmal eine ordentliche Bikewäsche (optimal wäre es natürlich, wenn du das Rad vor der Winterpause frisch geputzt im Keller abstellst und sich der Dreck nicht erst wochenlang festsetzen kann). Mit einer Fahrrad-Bürste, einem Eimer warmen Wasser oder dem Gartenschlauch und etwas Fahrrad-Reiniger ist das Bike leicht zu putzen. Anschließend das gute Stück gründlich abtrocknen und schon kann der Check losgehen.

Die wichtigsten Elemente: Antrieb, Bremse und Federung

1. Antrieb überprüfen

Kettenprüfer - diese Kette muss gewechselt werden

Kettenprüfer – diese Kette muss gewechselt werden

Durch den Verschleiß der Röllchen und Nieten wird eine Kette mit steigender Laufleistung immer länger, obwohl die Laschen an sich ihre Länge behalten. Zu früh Wechseln schadet dem Geldbeutel, zu spät dagegen kann noch viel teurer werden: Die Zähne der Ritzel und Kettenblätter passen sich mit der Zeit an die „gelängte Kette“ an, so dass eine neue Kette keinen Halt mehr findet und der gesamte Antrieb getauscht werden muss. Kling nicht gut, oder? Mit einem Kettenprüfer kann man den richtigen Zeitpunkt zum Wechseln abpassen. Eine solche Kettenverschleißlehre sollte daher in keiner Werkstatt fehlen. Keine große Investition, aber äußerst rentabel.
Wie du eine Kette wechseln kannst, erklären wir dir in Rainers BikeTalk… Ist die Kette noch gut in Schuss, wird die richtige Pflege ihre Laufzeit verlängern. Mit einer entsprechenden Bürste die Schaltröllchen säubern und die Kette reinigen. Ggf. kann hier sogar ein Kettenreinigungsgerät hilfreich sein und anschließend Kettenschmierstoff bzw. Kettenöl zum Einsatz kommen. Wir können beispielsweise den Testsieger der Zeitschrift TOUR 04/2016 Dynamic Kettenschmierstoff empfehlen, dazu die Finish Line Grunge Brush. Eine detaillierte Pflegeanleitung findest du in unserem Beitrag „Fahrradpflege richtig gemacht“.

Kontrolliere ebenso die Zähne der Ritzel. Erinnert die Form einiger Zähne eher an Haifischzähne, sind sie definitiv abgenutzt, ein Wechsel ist spätestens jetzt durchzuführen..

2. Bremsen checken

Weil hydraulische Scheibenbremsen heutzutage den Belag-Verschleiß automatisch nachjustieren, fällt es nicht mehr unmittelbar am Weg des Bremshebels auf, wenn die Beläge verschlissen sind. Deswegen müssen die Bremsbeläge regelmäßig kontrolliert werden. Meist reicht dazu ein Blick von oben in den Bremssattel. Die verbleibende Belagsdicke auf der Trägerplatte muss auf jeden Fall noch größer sein, als die Dicke der Feder zwischen den Belägen. Denn wenn die Feder mitbremst und sich akustisch bemerkbar macht, ist es bereits zu spät und im schlimmsten Fall nimmt die Bremsscheibe Schaden.

Stellst du fest, dass die Bremsbeläge reif für einen Wechsel sind, geht auch das Ausbauen der Beläge in der Regel schnell und einfach. Bei der Gelegenheit solltest du dann direkt auch das Innere des Bremssattels mit einem Tuch von Schmutz und Bremsabrieb befreien. Und bei frisch gewechselten Bremsbelägen bitte dran denken: Vor der ersten Ausfahrt muss der neue Belag mit ca. 30 Bremsvorgängen von etwa 30km/h runter bis auf Schrittgeschwindigkeit eingebremst werden. Bei organischen Belägen ist danach das Heißbremsen der Beläge bis zum Fading* angesagt, damit die enthaltenen Lösemittel ausgasen… bitte nicht beide Bremsen gleichzeitig. 😉
*Fading (= „heiß fahren“ der Bremse): Beim starken und dauerhaften Bremsen, z.B. bei einer langen und steilen Abfahrt, werden Bremsscheibe und Belege stark erhitzt. Hierdurch treten die im Bremsbelag enthaltenen Bindemittel aus und die Bremswirkung an der Scheibe lässt merkbar nach und kann sogar komplett verschwinden. Bei organischen Belägen sollte das beabsichtigt und kontrolliert vor der ersten Ausfahrt der neuen Beläge geschehen, sonst kann das Fading echtes Sicherheitsrisiko werden!
Passende Bremsbeläge für Discbrakes findest du hier…

Wurden schon mehrere Sätze Bremsbeläge heruntergefahren, sollte man auch die Dicke des Reibrings der Bremsscheibe überprüfen. Die Untergrenzen liegen meist um 1,5mm, genauere Angaben liefert der Hersteller. Die anstehende neue Saison kann auch ein guter Anlass sein, um bei Bremsen mit DOT-Bremsflüssigkeit (Avid/SRAM, Formula, Hayes, Hope) mal wieder die Bremsflüssigkeit zu tauschen (bzw. tauschen zu lassen), etwa alle zwei Jahre sollte das der Fall sein! Bei Mineralöl-Bremsen (Magura, Shimano, BFO/Tune) ist ein Wechsel nicht notwendig.

Wie du die Bremsbeläge einfach selbst wechseln kannst, erklären wir in diesem Video…

3. Federung überprüfen

Wichtigste Regel nicht nur für den Frühjahrs-Check: Die Standrohre der Gabel (bei Upside-Down-Gabeln die Tauchrohre), der Dämpferkolben und die Staubabstreifer müssen sauber gehalten werden. Prinzipiell ist das Schmieren einer Gabel nicht zwingend notwendig. Möchtest du trotzdem die Staubabstreifer etwas schmieren, greife zu einem eher dickflüssigen Gabelöl oder einem reinen Teflonöl. Bitte lass die Finger von dünnflüssigen Kriechölen, selbst wenn sie als „Gabel-Deo“ oder dergleichen angepriesen werden. Das Zeug spült nur den Dreck in die Gabel oder den Dämpfer und beschleunigt den Verschleiß enorm. Wir können zum Beispiel das Finish Line Trockenschmiermittel mit Teflon empfehlen.

Wer seiner Gabel noch mehr Gutes tun will, um top vorbereitet in die Saison zu starten, der findet hilfreiche Tipps in Rainers Video zur 50h-Wartung.

Und zu guter Letzt: Selbstverständlich sollte man den Druck bei Luft-Federelementen auf jeden Fall checken! Mit einer Dämpferpumpe kann zusätzlicher Druck in Gabel und Dämpfer gefüllt werden und kontrolliert abgelassen werden.

Jetzt folgt der Check der weiteren (Klein-)Teile:

Lager, Schrauben und Pedale prüfen

Makellose Züge

Makellose Züge

Sämtliche Verbindungsschrauben sollten gecheckt werden – unter Einhaltung der jeweiligen Drehmomente. Drehen sich alle Lager geschmeidig? Was ist die Lage am Steuersatz, knirscht er bereits? Teste ebenfalls die Funktion deiner Klickpedale, stimmt der Auslösemoment oder solltest du ggf. nachstellen? Auch freuen sich Klickies über ein wenig Öl an den Federn. Die Sattelstütze freut sich über eine Reinigung und ein wenig Fett – Achtung: Nur sofern keine Carbonsattelstütze im Einsatz ist! Sind alle Kabelverbindungen einwandfrei oder ggf. sogar Defekte zu erkennen?

Beleuchtungs-Check

Wer mit Beleuchtung am Fahrrad fährt, sollte auch am Licht unbedingt einen Funktionstest durchführen, bevor man erst auf der Ausfahrt feststellt, dass das Leuchtmittel nicht mehr funktioniert.

Bereifung und Räder begutachten

Stand das Bike über eine längere Pause, ist der Reifendruck höchstwahrscheinlich nicht mehr so hoch wie er sein sollte. Ist der Reifen komplett platt, am besten durch das Aufpumpen mit einer Standpumpe erstmal prüfen, ob der Reifen die Luft behält oder ein neuer Schlauch notwendig ist. Auch die Mäntel können ggf. nicht mehr die gewünschte Profiltiefe bieten oder sind bereits spröde geworden.

Checke sowohl die Speichenspannung als auch die Laufräder, ob sie aus der letzten Saison ggf. einen Achter davon getragen haben. Laufräder zentrieren übernimmt jede gute Fachwerkstatt. Wenn du dir das Zentrieren selbst zutraust, gibt Rainer dir hier hilfreiche Tipps im Video zum Thema Laufrad zentrieren.

Alles noch ergonomisch im Wohlfühlbereich?

Stimmen noch alle Einstellungen zu deiner Körpergröße und deinen Bedürfnissen? Prüfe die Sitzhöhe, Sattelposition, Lenkerposition und Hebel. Falsch eingestellte Bremshebel führen zu Schmerzen im Handgelenk. Die Hebel sind so einzustellen, dass das Handgelenk beim Bremsen gerade bleibt.

Sind Helm und dein Equipment noch in Schuss?

Auch wenn es nicht zu den Komponenten am Fahrrad gehört, gönne zum Schluss auch deinem Equipment einen letzten kurzen Check und schaue dir deinen Helm, deine Schuhe als auch Handschuhe nochmals an. Vor allem der Helm ist ein extrem wichtiger Sicherheitsaspekt und sollte stets einwandfrei sein. Einmal in der letzten Saison gestürzt und mit dem Helm aufgeschlagen? Dann sollte dir deine Sicherheit einen Austausch wert sein! Wie auch die Pedale solltest du die Platten am Schuh prüfen und dich von der einwandfreien Funktion dieser überzeugen.

Alles erledigt? Zugegeben, das war jetzt sicherlich umfangreich, aber sind wir mal ehrlich: Es ist wirklich notwendig, seinem Fahrrad diese Aufmerksamkeit zu schenken und hin und wieder einen Bike-Check durchzuführen! Behalte Verschleißteile und Federelemente immer im Blick und gönne deinem Bike (nicht nur jetzt zum Saisonstart) ein wenig Pflege. Der einwandfreie Zustand deines Rades sollte dir immer am Herzen liegen und erspart dir kostspielige Rundum-Erneuerungen oder Unfälle.

Solltest du dir an einer Stelle unsicher sein, vereinbare einfach einen Termin bei uns in der Werkstatt!

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