SRAM AXS Test HIBIKE Blog

SRAM Eagle & RockShox Reverb AXS im Test – Ist drahtlos gleich sorglos?

Die elektrische Evolution in der Bikewelt ist in vollem Gange. Besonders für Aufsehen gesorgt hat in diesem Zusammenhang die neue drahtlose AXS Produktgruppe von SRAM. Neugierig, wie sie sich in der Praxis schlagen würde, haben wir sie in den Test genommen und berichten hier von unserer Erfahrung.

Nachdem wir bei der exklusiven Produktvorstellung der neuen SRAM AXS Produktlinie schon enorm begeistert von der innovativen Technologie der drahtlosen Komponenten waren, wollten wir sie unbedingt im Feld testen. Freundlicherweise konnte uns SRAM zu diesem Zweck ein komplett ausgestattetes Specialized Stumpjumper Evo zur Verfügung stellen, welches wir auf Herz und Nieren auf unseren DH-Strecken am Feldberg getestet haben. Zur Freude des Testers und HIBIKE Gravity Teamfahrers Florian Werres, war das Bike nicht nur mit den neuesten AXS Komponenten sondern auch mit den neuesten Rock Shox Signature Federelementen ausgestattet. Motiviert durch die tadellose Dämpfungsperformance wurden so intensivste Testkilometer gesammelt. Wie sich die elektronische Schaltung sowie die elektronische Sattelstütze dabei geschlagen haben, erfährst du in diesem Testbericht.

Das Testbike

Als wäre die Möglichkeit, die neue AXS Schaltgruppe und Reverb zu testen, nicht schon großartig genug, hat uns SRAM die Parts freundlicherweise an ein Knallerbike geschraubt. Und zwar an das aktuelle Stumpjumper Evo – ein Trailbike auf Stereoiden sozusagen und damit perfekt geeignet für ausgiebige Testruns über DH-Strecke und Flowtrail am Feldberg.

Mit einer aggressiven EVO Trail-Geometrie, die ans Stumpjumper angelehnt jedoch noch einmal flacher und länger ist, der 29er-Bereifung und feinsten Rock Shox-Federelementen der neueste Generation waren optimale Testbedingungen gegeben. Der aufgebockte Federweg, im Vergleich zum Stumpjumper ST, von 150mm in der Front und 140mm im Heck trug sein Übriges dazu bei.

Die Komponenten – Spezifikationen und Set-Up

Bevor es mit den ersten Testruns losgehen konnte, mussten erst einmal die AXS Hebel justiert werden. Wobei hier kaum mehr von mechanischen Hebeln die Rede sein kann, da es sich um elektronische Controller handelt, die bei Tastendruck per Funk die jeweiligen Komponenten ansteuern. Durch den Matchmaker und das Wegfallen jeglicher Züge und Kabel, war die Ausrichtung der Trigger ein Leichtes.

Gleiches galt für das Montieren der Reverb, die zum sicheren Versand des Bikes zu uns abmontiert wurde: Die versenkbare Sattelstütze, an dessen Kopf nun eine Steuereinheit, die das Ventil öffnet beziehungsweise schließt, und ein Akku angebracht ist, musste nur noch in das Sattelrohr gesteckt und festgeklemmt werden, wie eine herkömmliche starre Sattelstütze. Vorbei sind die nervenzerreissenden Kämpfe mit innenverlegten Zügen und womöglich auch die, durch die hydraulische Leitung der bisherigen Reverb verursachten, Fehlfunktionen beim Absenken und Ausfahren der Stütze. Hierzu aber später mehr.

Dadurch, dass alle AXS Komponenten dauerhaft aktiv sind, war kein Einschalten nötig. Der Schlafmodus, in welchen sie verfallen sobald das Rad nicht bewegt wird, wird bereits durch die kleinste Bewegung beendet und los kann’s gehen! So begeistert, wie wir vom einfachen Handling der AXS Komponenten waren, so neugierig waren wir auch sie in Aktion zu erleben. Würde die Schaltung so einwandfrei funktionieren, wie eine mechanische und würde die Reverb sich verzögerungsfrei aus- und wieder einfahren lassen?

SRAM Reverb AXS im Einsatz

Nachdem die ersten Trockenübungen mit der drahtlosen Reverb bereits sehr überzeugend ausgefallen waren, war es Zeit die Sattelstütze unter Wettkampfbedingungen zu testen. Hierfür bieten die offiziellen DH-Strecken und Flowtrails an unserem Hausberg, dem großen Feldberg beste Bedingungen. Wettertechnisch waren die Bedingungen während der Testphase leider nur selten gut, so hatten wir es am Tag des Shootings leider auch mit feinstem Aprilwetter zu tun. Umso beeindruckender war die tadellose Performance der Reverb: Wie zuvor bei den ersten Tests reagierte die Stütze nach Betätigung des Triggers in Sekundenbruchteilen und senkte sich ab. Dabei blieb die Geschwindigkeit der Sütze konstant auch bei den leider häufigen, schweren Temperaturstürzen während der Testphase.

Übrigens: Sollte sich doch einmal die Performance der Stütze verschlechtern, ist ein kleiner Service bei der neuen Reverb einfach selbst gemacht. Diese verfügt nämlich über ein neues Service-Ventil, welches nun am unteren Ende der Stütze Platz findet und durch einfaches Drücken die Stütze komplett enlüftet. Während unseres zweiwöchigen Dauertests konnten wir allerdings keinerelei Schwächen erkennen, weshalb wir dieses nützliche Feature nicht benutzen mussten.

Drahtloses Schalten mit SRAM Eagle AXS

Im Vorfeld des Tests haben wir uns, auch ein wenig skeptisch, die Frage gestellt, ob der per Funk übermittelte und durch den Servomotor umgesetzte Schaltvorgang genauso direkt verlaufen würde, wie bei einer herkömmlichen mechanischen Schaltung. Zu unserem Erstaunen zeigten bereits die ersten Fahrten, dass die Eagle AXS die machanische Eagle sogar noch überbieten kann.

Wie bei der Reverb auch, wird das Signal in Sekundenbruchteilen übermittelt und der Schaltvorgang des Schaltwerk vollzieht sich immer mit der selben Genaugikeit und Geschwindigkeit. Völlig egal ist dabei der Erschöpfungszustand des Fahrers, da das Drücken des Triggers mit nur sehr geringem Aufwand getätigt werden kann und es nie noch mehr Nachdruck bedarf, wie es bei mechanischen Schaltungen nicht selten der Fall ist.

Während des Tests kam es ein ums andere Mal auch zu ungewollten Schlägen auf das Schaltwerk, zum Beispiel durch hinterlistige Baumstümpfe. Hier kam die automatische Justierung des Schaltwerks zum tragen: Beim Kontakt entkoppelte sich der Motor und das Schaltwerk konnte ausweichen, danach sprang es automatisch wieder in seine Ausgangsposition zurück und die nachfolgenden Schaltvorgänge liessen sich ohne Probleme durchführen.

 

AXS Akku & App  – smart & multikompatibel

Alle Komponenten der AXS-Produktgruppe – sowohl MTB- als auch Rennrad-Komponenten – verwenden denselben Akku. Im ungünstigen Fall einer kompletten Entladung während der Fahrt kann also immer noch getauscht werden. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass der Akku beim Betreiben der Sattelstütze wesentlich weniger Strom verbraucht und dadurch länger hält, als beim Betrieb der Schaltung. Hier liegt die Akkulaufzeit je nach Anzahl der Schaltvorgänge bei 25-40 Fahrstunden reiner Fahrtzeit. Ein Akku, der nur in der Reverb genutzt wird, kommt bis zu ein Jahr lang ohne Ladung aus. Der Akkustand lässt sich durch langes Drücken auf den Knopf am Schaltwerk bzw an der Sattelstütze feststellen – bei grün ist noch genügend Saft vorhanden, bei roter LED sollte geladen werden. Bei längerem Transport im Auto sollte man den Akku überdies unbedingt herausnehmen, wenn man ein unnötiges Entladen durch die automatische Aktivierung vermeiden möchte.

Die Trigger werden durch zwei Knopfzellenbattereien betrieben, diese sollen laut Hersteller 2-3 Jahre halten, danach müssen sie leider ausgetauscht werden. Ein erneutes Laden wäre hier umweltfreundlicher, ist aber nicht möglich. Der AXS Controller besteht aus einem Hauptbody mit aufgesetztem Schalter, der durch Druck nach Oben oder Unten bedient werden kann. Welche Aktion, welchem Tastendruck zugeordnet ist, lässt sich in der kostenfreien AXS App, erhältlich für Android & iOS, den persönlichen Vorlieben entsprechend konfigurieren. SRAM-Antrieb mit Shimano-Schaltlogik? Kein Problem. Besonders interessant für Racer ist außerdem der Sprintmodus, der sich mittels der App einstellen lässt. Hierbei kann definiert werden, wie viele Gänge der Schaltsprung umfassen soll, wenn der Controller gedrückt gehalten wird – ein Feature das uns auf der Jagd nach dem nächsten KOM ganz besonders gefallen hat.

Fazit

SRAM AXS hat unsere Erwartungen, was das Schalt- respektive das Absenkverhalten von Schaltung und Sattelstütze angeht, übertroffen. Aufgrund der noch sehr hohen Preislage ist AXS vor allem etwas für Technick-Nerds, welche gerne am Rad tüfteln und spielen. Profis, die sich komplett auf Ihr Material verlassen können müssen, werden die Präzision außerdem zu schätzen wissen. Für den ambitionierten Hobbyfahrer empfehlen wir ein schrittweise Umrüstung. Gerade die einzelne Anschaffung der drahtlosen Stütze ist eine Investition wert: Man muss sich nicht mehr mit dem lästigen Entlüften und der Verlegung der Züge einer herkömmlichen Sattelstütze herumschlagen und kann sich an einer sorglosen und vor allem konstant funktionierenden Stütze erfreuen.

Laurenz Utech
Ein Beitrag von: Laurenz Utech – HIBIKE Marketing

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