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Rollentrainer und ihre Unterschiede

Wer in der kalten Jahreszeit seine Fitness und Kraft beibehalten will oder sie sogar noch intensivieren möchte, der kann mit einem Rollentrainer für die eigenen vier Wände wetterunabhängig, regelmäßig und intensiv trainieren. Auch wenn es einfach nur eine gelegentliche Runde für die Fitness sein soll. Hier informieren wir euch über die unterschiedlichen Möglichkeiten des Indoor-Trainings, denn Rolle ist nicht gleich Rolle.

Bei den meisten Bikern kommt das Rollen-Training nicht gut weg: Die Luft im Raum steht, du schwitzt “wie Sau”, der Rollentrainer dröhnt und man bewegt sich keinen Meter an der frischen Luft – wo wir Radfahrer uns doch eigentlich so gerne aufhalten.

Rollentrainer mit unterschiedlichen Funktionsweisen

Rollentrainer mit unterschiedlichen Funktionsweisen

Warum auf die Rolle und wie lange?

Im Gegensatz zu Ergometern oder Spinning-Bikes ermöglicht es ein Rollentrainer, das eigene Fahrrad zum Training zu verwenden. Man muss sich also bei Sitzposition, Sattel und Pedalen nicht umstellen. Außerdem ist ein Rollentrainer sehr mobil, kann also auch zu Wettkämpfen mitgenommen und dort zum Aufwärmen genutzt werden. Nicht nur im Straßensport, auch auf Mountainbike- und sogar Downhill-Rennen, sieht man vor dem Start immer mehr Athleten, die sich mit Hilfe dieser Trainingsgeräte warm fahren.
Ich bin der Ansicht, dass Winter-Training auf der Rolle für die Entwicklung der Kraftausdauer Pflicht ist. Meiner Meinung nach sind im Winter, bei schlechtem Wetter, nicht mehr als 90 Minuten nötig, um ein super Training zu absolvieren, das dir nachweislich mehr Kraft, Ausdauer und Fitness liefert. Es soll Radsportler geben die mehrere Stunden auf der Rolle abspulen, was tatsächlich einen Applaus verdient, dies ist nicht zwingend notwendig. Tipp: Grundlagen-Training bei vernünftigen Wetter draußen (am besten mit Radsport-Freunden) und bei richtigem Schmuddelwetter wird ein Intervall-Training auf der Rolle absolviert (und selbst das kann mit Freunden absolviert werden, dazu später mehr). 🙂
Wichtig ist, dass du regelmäßig dabei bleibst und das ganze nicht als Zwang siehst, sondern den Spaß daran entdeckst. Dafür solltest du erstmal herausfinden, welcher Rollentyp du bist.

Welche Rolle eignet sich für welchen Fahrertyp?

Es gibt ein paar wichtige Merkmale, über die du dir erst klar werden solltest, wenn du über die Anschaffung einer Rolle nachdenkst! Wir helfen dir und klären auf:

Der Klassiker: Die freie Rolle (die Rolle der Profis)

Beispiel für eine freie Rolle - Elite Arion

Beispiel für eine freie Rolle – Elite Arion

Die freie Rolle bietet dir das realistischste Fahrgefühl, da Du dich „frei“, ohne dass das Hinterrad in einer Halterung eingeklemmt wird, bewegen kannst. Du bewegst dein Fahrrad auf drei Walzen, welche durch einen Treibriemen miteinander verbunden sind. Das Hinterrad bewegt sich auf den hinteren zwei Walzen, das Vorderrad wird auf der dritten, vorderen Walze gestützt. Du schulst ungemein Koordination und Technik! Eine gewisse Mindestgeschwindigkeit ist notwendig, damit das Rad stabil auf den Walzen läuft und sich die erforderlichen Kreiselkräfte entwickeln. Ist man dann etwas vertraut mit der freien Rolle, sind Wiegetritt oder auch Sprints wie im wahren Radsportler-Leben erlebbar. Früher waren diese Rollen nicht in der Lage den Widerstand (außer über die Schaltanlage des Fahrrades) zu verstellen. Heute, im Zeitalter der Konnektivität, gibt es auch die Freirolle mit allem was das interaktive Radsportler-Herz begehrt. Rollen senden drahtlos über ANT + und Smart Bluetooth alle Daten für moderne Trainingseinheiten an gekoppelte Apps (so zum Beispiel bei Elite App und Software oder auch Apps von Drittanbietern wie Zwift, Trainerroad u.Ä.). So kannst du auch mit der freien Rolle Real-Tour Strecken bestreiten, zum Beispiel den Col du Tourmalet der Pyrenäen oder ein Rennen auf der Olympia-Strecke in London. Tacx, Elite und einige weitere bieten alles für den Web-Spaß, was man sich wünschen kann.
Ein weiterer großer Vorteil der Freirolle ist das sehr geringe Gewicht und das sehr kleine Packmaß. So verschwindet sie sehr schnell unter dem Sofa oder dem Bett. Ebenso schnell liegt sie im Kofferraum des Autos, zum Aufwärmen vor dem nächsten Rennen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Rollen auch problemlos mit einem MTB genutzt werden können. (Achtung glatter Reifen ohne Profil notwendig.)

Nachteile:
Ein wenig Übung zu Beginn ist definitiv notwendig. Gerade am Anfang solltest du es vorsichtig angehen lassen, um unfreiwillige Abstiege zu vermeiden. Du musst das gesamte Training hochkonzentriert sein, um das Gleichgewicht zu halten, da du ja keine Stütze oder Halterung hast. Ein einfaches vor-sich-hin-treten ist hier weniger Tagesordnung.
→ Für die freie Rolle sind spezielle Rollen-Reifen zu empfehlen.

Am besten zeigt ein Video, wie man sich das Training mit freier Rolle vorstellen kann (hier Tacx Galaxia):

Feste Rolle – die meistverwendete Rolle.
Das Bike wird mit dem Hinterrad auf dem Rollen-Trainer eingespannt

Beispiel für eine Rolle mit fixiertem Hinterrad - Tacx Virtual Reality Trainer

Beispiel für eine Rolle mit fixiertem Hinterrad – Tacx Virtual Reality Trainer

Der große Vorteil gegenüber der freien Rolle ist, dass du dich rein auf das Treten konzentrieren kannst, da du ja mit dem Hinterrad eingespannt bist und „nicht umfallen“ oder stürzen kannst. Dein Rad ist fest an Ort und Stelle, da das Fahrrad über die Hinterachse fixiert ist.
Das bedeutet man kann auch mal den Kopf abschalten, einfach mal durchschnaufen und locker vor sich hintreten.
Die Preisspanne bei diesen Geräten ist relativ groß. Es gibt Einstiegsmodelle schon ab ca. 100,-€. Je nach Modell lässt sich der Widerstand nur über die Schaltung oder über einen Widerstands-Verstellmechanismus vom Lenker oder auch interaktiv verstellen. Aber aktuell gibt es auch einen Boom der Rollen, die mit allem was das interaktive Radsportler-Herz begehrt aufwarten. Die Rollen senden drahtlos über ANT + und Smart Bluetooth alle Daten für moderne Trainingseinheiten mit Elite-Apps und Software oder Apps von Drittanbietern (Zwift, Trainerroad,..). Wichtig zu bedenken bei der Kaufüberlegung ist, dass mit steigendem Preis auch die Möglichkeiten der Trainingsvielfalt steigen.
Willst du
a) eine einfache Rolle um zu deiner Lieblings-Motivationsmusik oder zu deinem abendlichen TV-Programm 90 Minuten zu treten oder
b) willst du interaktiv gegen Gegener am anderen Ende der Welt virtuelle Strecken bestreiten?
Diese Trainingsmögichkeiten spiegeln sich selbstverständlich im Anschaffungspreis wieder.

Thema Schwungmasse, Widerstandsverstellung und Geräuschentwicklung: Je nach deinem Nutzungsprofil solltest du diese Themen in deine Kaufentscheidung einfließen lassen, da es hier schon einige Unterschiede der vertretenen Modelle am Markt gibt.  Übrigens lassen sich aber auch diese Trainer inzwischen gut transportieren und klein zusammenklappen.

Nachteile: Das Eigengewicht ist je nach Modell doch relativ schwer, willst du die Rolle auch mal transportieren solltest du das bedenken. Auch hier empfehlen wir einen speziellen Rollen-Reifen. Ein weiterer Nachteil „könnte“ die Geräuschentwicklung sein, für eine Mietswohnung nur bediengt zu empfehlen, da sich die Schwunggeräusche doch relativ leicht auf den Boden übertragen und somit die Mieter im Stockwerk unter dir belästigen könnten.

Virtuelle und interaktive Trainer

Mit einem solchen Trainer kannst du Videos oder Grafik-3D-Welten auf dem PC oder noch besser an den TV-Bildschirm gekoppelt abfahren. Zu einer gewählten Strecke oder einem Training ändern diese Trainer automatisch – je nach Streckenverlauf – den Widerstand, sie simulieren einen Anstieg oder eine Abfahrt. Dank zahlreichen Touren rund um die ganze Welt wird hier nicht allzu schnell Langweile aufkommen. Sie bieten zusätzlich die Möglichkeit gegen virtuelle Gegner zu fahren oder dich sogar mit Freunden zu vernetzen, die ebenso gerade zur gleichen Zeit zu Hause ihr Indoortraining absolvieren. Für solche Trainer sind dann schon 600 – 800 € für die Anschaffung zu kalkulieren, wer jedoch Abwechslung beim Training braucht, ist hiermit bestens beraten.

Tauche ein in die Welt der virtuellen Trainer (hier Tacx i-Genius):

Die neuen Wheel-off-Trainer:
Der Hinterbau des Rades wird eingespannt

Beispiel für ein "Wheel Off Trainer", der Elite Turbo Muin Smart B+

Beispiel für ein “Wheel Off Trainer”, der Elite Turbo Muin Smart B+

Hier wird das Hinterrad ausgebaut. Im Prinzip ist diese Art der Rollentrainer mit der festen Rolle (wie im Absatz zuvor beschrieben) vergleichbar. Es gibt aber einige entscheidende Vorteile:
Allem Voran: Kein Reifenverschleiß! Und da wäre zum Beispiel der ausgezeichnete Rundlauf beim Pedalieren, was sowohl dem Radsport-Neuling als auch dem Profi-Sportler nützlich ist. Ein weiterer Pluspunkt ist die hohe realisierbare maximale Kraftleistung wie beim Training von Bergintervallen mit flacher Trittfrequenz (K3 Training) und Sprint-Intervallen, als auch eine maximale Kompatibilität mit allen Schaltanlagen. Ob SRAM, Shimano oder Campagnolo, sowie die Fragen nach 9, 10 oder 11-fach, alles kein Problem.
Auch die sehr geringe Geräuschentwicklung ist hervorzuheben, denn das Windgeräusch des Hinterrades fällt weg. Dadurch sind diese Trainer auch ohne Probleme in einer Mietswohnung nutzbar oder stören den Partner nicht, der nebenan gerade TV schauen will.

Nachteil: Etwas teurer sind die Trainer schon in der Anschaffung. Ab 500,-€ aufwärts geht es los, je nach Modell sind aber auch um die 1.000,-€ zu investieren.

Extrem leise, das zeigt auch das Video zum Elite Turbo Muin:

Rollentrainer Zubehör – Was braucht man?

Zusätzlich zum Rollentrainer oder der freien Rolle empfehlen wir ein paar kleine Helfer, Zubehör, das das Training einfacher und komfortabler macht.

  • Vorderradstütze:
    Ein Unterstellblock, der unter dem Vorderrad platziert wird, dieses anhebt und damit für eine normale Sitzposition sorgt. Unerlässlich, wenn das Fahrrad hinten in einem Rollentrainer fixiert und dadurch dort angehoben ist. (Natürlich unnötig bei freier Rolle.)
  • Schweißfänger:
    Dieses unscheinbare kleine Teil wird zwischen Lenker und Sattelstütze gespannt und fängt Schweiß von Kopf und Oberkörper ab. So werden die empfindlichen Fahrradbauteile vor Korrosion geschützt. Eigentlich unersetzlich, denn ohne kühlenden Fahrwind tropft es innerhalb weniger Minuten ganz gewaltig.
  • Trainingsmatte:
    Meist aus dickerem Schaumstoff oder Gummi, erfüllt die Matte gleich zwei Funktionen. Einmal dämpft sie die Geräuschentwicklung während des Betriebs und außerdem fängt auch sie den Schweiß auf und schützt so Teppich oder Parkett.
  • Trainingsreifen:
    Bei Rennrädern mit Slicks nicht zwingend nötig, aber gerade bei häufigem Betrieb eine lohnende Investition. Ein guter Trainingsreifen ist auf die Belastungen von Rollen spezialisiert und heizt sich nicht so stark auf, wie ein Straßenreifen. Dadurch hält er länger und ist zudem noch günstiger als die meisten guten Straßenreifen.
    Bei Mountainbikes ist so ein Reifen Pflicht, denn Stollenreifen sollten auf einer Rolle nicht verwendet werden!
  • Software & DVDs:
    Tacx oder Elite Software & DVDs dürfen auch nicht fehlen, wenn du zum Beispiel Tour de France Strecken oder quer durch Amerika virtuell touren willst.

Jetzt solltet ihr den Durchblick über die Unterschiede von Rollentrainern haben. Und in einem nächsten Blog-Beitrag bringen wir euch das “Interactive Rollentraining” noch ein Stück näher…

Aaron Hoffmann
Ein Beitrag von: Aaron Hoffmann – HIBIKE Ladengeschäft Kronberg im Taunus

One thought on “Rollentrainer und ihre Unterschiede

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