Jürgen mit dem Crosser auf Eselsweg

Tourenbericht aus dem Spessart – Mit dem Crosser auf dem Eselsweg

Der Eselsweg – er wird erwandert oder mit dem MTB befahren. Ein Crosser ist da schon eher die Ausnahme. Es ist eine sehr sportliche Art den Spessart, weit weg von den Straßen und Ortschaften, zu erfahren. Ob das funktioniert erfahrt ihr hier.

Der Weg ist das Ziel – Eselsweg ist Kult

Alle Mountainbiker im Spessart haben zumindest das schwarze E auf weißen Grund schon einmal gesehen (die Wegmarkierung des Eselswegs). Er durchkreuzt das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands von Nord nach Süd und ist ein Höhenweg. Wer jetzt aber meint, das würden wenig Höhenmeter bedeuten, irrt. Über 2.300 Höhenmeter werden auf der 111 Kilometer Strecke eingesammelt. Das Höhenprofil zeigt die Details.
Ich bin als Spessarter den Eselsweg schon oft gefahren, auf Teilstücken als auch komplett. Letzteres aber immer mit Übernachtung zwischendurch und mit einem Mountainbike. Zugegeben, das letzte Mal ist nun auch schon 25 Jahre her. Es wird also wieder einmal Zeit dem Spessart einen Besuch abzustatten.

Exkurs Geschichte: Wer oder was genau ist der Eselsweg?

Der 111 Kilometer lange Eselsweg hatte über 20 Jahrhunderte lang eine große Bedeutung: Keltische Krieger, römische Kaufleute, Kuriere, Bauern oder auch Ritter nutzten diesen Weg. Seinen Namen bekam der Eselsweg durch die Bad Orber Salzkarawanen. Sie transportierten die schweren Salzsäcke mit ihren Eseln von Bad Orb nach Miltenberg zur Einschiffung auf den Main. Der Weg verläuft von Schlüchtern quer durch den Spessart (über Flörsbach) bis nach Großheubach am Main. Die Strecke führt fast ausschließlich durch dichten Laubwald auf einer Höhe von 400 bis 500 Metern, wobei sie keine Täler und nur selten Ortschaften berührt. Diese Wegführung war einfacher und weniger kräftezehrend für Mensch und Tier, als immer wieder die – zum Teil enormen – Gefällstrecken in die feuchten und oft überfluteten Spessarttäler hinab zu überwinden oder über ebensolche Steigungen wieder aus ihnen auf die Höhe zu gelangen.

Interesse geweckt? – Die Fakten und Tipps

An- und Abreise:

Da es keine Rundstrecke ist, ist der Zug eine gute Wahl. Zum Beispiel von Frankfurt kommt man frühestens ab ca. 6:30 Uhr in Schlüchtern an und kann am Ende des Tages über Miltenberg (20 Fahrradminuten von Großheubach) wieder nach Hause fahren. Hier bietet die Bahn um ca. 20:30 Uhr die letzte Möglichkeit nach Frankfurt an (Details sollte man vorher natürlich checken). Und bitte bedenken: Keine ICE Verbindungen einplanen (hier ist die Fahrradmitnahme generell nicht gestattet). Zeitliche Entspannung bekommt man durch Einplanen von Übernachtungen, diese sind am Startort und/oder zwischendurch und/oder am Zielort Großheubach/Miltenberg möglich.
Ich empfehle bei einem 1-Tages-Trip so früh als möglich zu starten und den letzten Zug immer im Blick zu haben. Eine Bikepacking-Tour als Overnighter – mit Übernachtung im Spessart – ist aber ebenfalls eine Empfehlung.

Mein Crux und ich:

Ich entscheide mich für den Ausflug für mein Lieblingsrad, das Specialized CRUX SPORT E5 (Modell 2016) – das Cross Beast! Wer mit dem Thema noch nicht so vertraut ist, einen lesenswerten Bericht gibt es von Daniel hier.
Die Übersetzung – das 36er Blatt vorne und das 28er Ritzel hinten sind zwar möglich, manchmal hätte ich mir aber eine 32er Kassette gewünscht, gerade auf den letzten 30 Kilometern der Strecke.
Bei 2.300 Höhenmetern und unsicheren Wetterbedingungen sind für mich Scheibenbremsen Pflicht. Entweder semi-hydraulische Disc wie bei mir (TRP HY/RD) welche ausreichend sind, oder eine vollhydraulische Disc, wie sie Specialized 2017 serienmäßig anbietet. Und ganz wichtig: Bremsbeläge vorher checken! 🙂
Federung: Beim Crosser Fehlanzeige. Hier bekommt man das Gefühl, wie MTB fahren Ende der 80er war. Ich hatte es fast wieder vergessen, wurde aber am letzten Teilstück rüde daran erinnert. Der Crosser ist eben die sportlichere Variante im Wald unterwegs zu sein. Die Trails auf den ersten 2/3 liefen aber entsprechend richtig gut.

Verpflegung:

Vorsicht! Hier muss gut geplant werden. Man kommt bis auf wenige Ausnahmen am Anfang in keine Ortschaften und die Gaststätten haben keine Öffnungsgarantie. Keine Quelle ist am Wegesrand, da wir nur die Spessarthöhen nehmen. Für einen Durchmarsch an einem Tag muss alles passen.

Meine Empfehlung:
111 km und 2.300 Hm sind intensiv. Ich hatte 3 Gels und 3 Riegel für zwischendurch mit und genügend Bargeld für eine Gaststätte.
Zwei 750ml Fahrradflaschen sind Pflicht oder eine 2-3 Liter Trinkblase. Wenn es sommerlich heiß ist, dann sollte man beides in Kombination nutzen. Zur Not, kann man immer noch in eine Ortschaft absteigen und dort an einer Haustüre höflich nach Trinkwasser fragen. Man verliert aber Zeit und Kraft, wenn man die Strecke an einem Tag versucht. Eine Herausforderung, ja – plant man mit zwei Tagen, ist alles entspannter.

Gaststätten:
Bei allen gilt: VORHER über die Öffnungszeiten am Reisetag informieren. Am Besten am kurz anrufen, dann ist man auf der sicheren Seite. Oft steht man sonst mit leerer Trinkflasche und ausgehungert vor verschlossener Tür.
KM 0 Start
KM 31 Sudetenhof
KM 39 (Alternative zu Lettgenbrunn) Gasthaus Wiesbüttsee
KM 52 Waldhaus Engländer
KM 75 Forsthaus Echterspfahl
KM 111 Ziel
Es ist sicher nicht nötig (aber möglich 🙂 ) alle Gaststätten zu besuchen. Ich bin im Gasthaus am Wiesbüttsee und im Forsthaus Echterspfahl eingekehrt, da Sudetenhof und Engländer am Tag meiner Tour geschlossen hatten.
Achtung: Die letzten 35 Kilometer sind ohne direkte Verpflegungsmöglichkeit. Hier alles gut auffüllen. Gerade die letzten 35 km sind mit steinigen Trails gefüttert und mit einem Crosser entsprechend kräftezehrend – bergauf und bergab.

Zur Strecke:

Die ersten 80 km sind sehr gut mit dem Crosser zu fahren. Der letzte Teil, wie schon erwähnt, durch steinige Trails anstrengend, aber möglich. Nach langen Regenfällen ist der Waldboden weich und tief. Auch das sollte mit dem Crosser bedacht werden. Du findest aber wirklich alles vor, von tollen Waldwegen, Wiesentrails, Schotterstraßen, Asphalt und anspruchsvollen Singletrails S0 – S1. Die ersten Kilometer nach Schlüchtern sind noch offen und man sieht die Weite der Landschaft und dann geht es in den dichten Spessart-Wald. Ich empfehle ein GPS-Computer (bei mir ist es der Garmin Edge 1000) mit einer installierten gpx-Datei zu nutzen. Alternativ aber auch für den Fall der Fälle Wander-Karten Spessart Nord und Spessart Süd (1:50000) mitführen. Diese sind hilfreich, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Das „E“ als Symbol an den Bäumen ist für Wanderer gedacht, manchmal ist man mit dem Bike zu schnell und übersieht es. Ich habe mich einige Male verfahren oder bin dann parallel zum Eselsweg gefahren. Da ist das Navi eine gute Unterstützung! Ich möchte es nicht missen.

GPX Daten Eselsweg

Hier könnt ihr meine Tour mit gpsies.com nachvollziehen und downloaden:

Nicht aufhören wenn man fertig ist. Erst aufhören, wenn das Ziel erreicht ist.

Die Abfahrt hinunter zum Kloster Engelberg verlangt nochmal alle Kräfte. Wunderschön zu fahren, aber die Arme übernehmen jetzt die Federung. Die Bremsscheiben und Oberarme glühen.
Angekommen am Kloster war das Bier in der Klosterschänke Pflichtprogramm!
Die Klosterschänke hat im Sommer bis 20:00 Uhr geöffnet und das Bier kommt von den Klosterbrüdern vom Kreuzberg/Rhön. Früher braute man noch selbst. Der neue Biergarten ist allerdings innen im Kloster und hat daher kein Zugang von außen. Getränke dürfen auch nicht von der Gaststätte nach draußen gebracht werden – Achtung – und die Räder offiziell nicht rein. Das ist ein Problem! Bei so einer Tour ist ja ein Fahrradschloss Fehlanzeige. Hier muss man also improvisieren. Ich habe dem Gaststätten-Chef aber den Denkanstoß gegeben, ob nicht Leihschlösser hier eine radlerfreundliche Alternative wären :-).
Mein Tipp: Nehmt ein kleines Schloss mit und lasst den erfolgreichen Tag mit all seinen schönen Eindrücken beim Bier ausklingen oder ruft bei der Klosterschänke einfach mal an. Mit einer freundlichen Frage kommt man oft weiter.
Für die Abfahrt nach Miltenberg am Main zum Bahnhof sollten ca. 20-30 Minuten eingeplant werden. Eine Übernachtung in Miltenberg wäre aber bei dieser schönen Altstadt sicher eine gut investierte Nacht.

Mein Fazit nach der Tour durch den Spessart

Mit dem Crosser auf den Eselsweg? Ja! Das geht, macht richtig Spaß und tut weh.
Ob Crosser oder MTB, ich kann den Weg nur empfehlen! Eine schöne Strecke in schöner Landschaft. Für mich bleibt der Crosser definitiv die sportlichere Variante, um den Eselsweg zu erleben. Und alternativ zu einem Tagestrip könnte man die Tour ja auch als Bikepacking-Trip erleben. Nehmt euren Crosser, legt einige Taschen dran und übernachtet in einem der wunderschönen Gasthöfe im Spessart, z.B. in Jakobsthal oder Heigenbrücken.

Übrigens, da ist noch was … Da gibt es NOCH EINE alte Handelsstraße – „Birkenhainer Straße“, der Spessart von West nach Ost, auch sehr geschichtsträchtig. Das wäre ebenfalls ein reizvoller Versuch und schreit nach einer neuen Tour für den Herbst. 🙂

An alle, die den Eselsweg mit dem Bike versuchen … VIEL SPASS und immer sichere Fahrt!

Meine Impressionen:

Jürgen Stegmann - HIBIKE Racing Team
Ein Beitrag von: Jürgen Stegmann – HIBIKE Racing Team

3 thoughts on “Tourenbericht aus dem Spessart – Mit dem Crosser auf dem Eselsweg

  1. Hallo Jürgen,

    danke für den wirklich tollen Beitrag zum Eselsweg. Ich möchte diesen auch gerne mit meinem Crosser machen wenn es wärmer wird. Meine technischen Fähigkeiten im Gelände halten sich allerdings ziemlich in Grenzen, ich bevorzuge eher gut bis grob geschotterte Waldwege und feste Trails, die man ohne große Fähigkeiten fahren kann.
    Du hast ja geschrieben, dass es ab und an anspruchsvller wurde. Ist die Strecke dann trotzdem für mich noch zu empfehlen?
    Danke für die Antwort!

    Gruß
    Markus

    1. Hallo Markus,

      die Strecke ist definitiv für Dich zu empfehlen.
      Es gäbe nur zwei Punkte zu berücksichtigen. 1) Bei längerem Regen kann der Boden tief werden und das Biken wird erschwert.
      2) Anspruchsvoll war die Abfahrt am Schluss zum Kloster runter, da der Crosser keine Federung hat.
      Hier kann man aber auch Forstwege als Alternative auf den letzten Metern nehmen.
      Alles aber so S0 bis S1 auf der Single-Trail Skala, also recht enspannt von der Technik … nicht aber von der Kondition.

      Viele Grüsse und gute Fahrt!
      Jürgen

  2. Hallo Jürgen, ich fand diese Tour ja schon sehr reizvoll, als du sie bei Strava hochgeladen hast. Mit diesem Bericht lieferst du ne Menge Hintergrund, so das sich die Routenwahl nachvollziehbar erschließt und machst richtig Lust auf die Tour – jetzt kann ich ja kaum noch anders als es dir mal gleich zu tun. Vielen Dank dafür

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