Raubtier oder nur Winterschuh? – Der Northwave X-Raptor im Test!

Nach einigen Jahren wird es endlich Zeit für neue Winterschuhe: In diesem Herbst durfte ich die Northwave X-Raptor Arctic GTX ausgiebig testen. Was diese Schuhe von anderen unterscheidet und wie sie sich im täglichen Einsatz geschlagen haben, könnt ihr hier erfahren.

Der erste Eindruck

Auf den ersten Blick fiel mir auf, dass diese Schuhe optisch schlank daher kommen und hauptsächlich am nach oben hin verlängerten Schaft als Winterschuh zu erkennen sind. Dieser Schaft dient dem Schutz vor Kälte und hindert Wasser am Eindringen von oben. Hauptsächlich an der Rückseite der Schuhe ist reflektierendes Material zu finden, seitlich sind solche Elemente in geringerem Maße angebracht. Als Befestigungsmechanismus an Fahrradschuhen haben sich Einstellrädchen wie das BOA-System weitgehend durchgesetzt. Auch die Northwave haben ein solches System, hier SLWDial genannt.

Passform

Am Übergang vom eigentlichen Schuh zum Schaftteil sind die Schuhe recht eng geschnitten. Dies sorgt für eine optimale Passform: um das Fußgelenk einen festen Sitz, im vorderen Fußbereich ein wenig Luft zur Seite und nach oben. Das Fußbett ist bei den Northwave tendenziell etwas schmaler als z. B. bei meinen älteren Schuhen von Shimano.

Durch Drehen des Rädchens spannt man die „Schnürsenkel“ fester und erreicht so einen festeren Sitz. Die Schuhe sitzen nun etwas zu fest? Durch Drücken des kleinen seitlichen Hebels lässt die Spannung geringfügig nach, dies kann so oft wiederholt werden, bis der Sitz angenehm ist. Durch Ziehen am seitlichen Hebel wird die Schnur ganz freigegeben, der Schuh kann ohne großen Aufwand ausgezogen werden. In der Praxis verteilt sich der Druck schön gleichmäßig über den Fußspann. Erst bei übermäßig hoher Spannung fing der Schuh an, hier leicht zu drücken.

Was kann die Sohle?

Die Schuhe sind für die Verwendung mit Klickpedalen optimiert und sind als solche mit MTB-Schuhplatten kompatibel. Ich fahre sie in Verbindung mit Shimano SPD Pedalen. Die Sohle ist im Bereich um die Cleats besonders steif. Dadurch verteilt sich der Druck beim Fahren auf einen größeren Bereich und das Cleat drückt nicht unangenehm gegen den Fußballen wie es bei anderen Schuhen der Fall ist.

Im Bereich der Zehen und in Richtung Ferse ist das Material hingegen deutlich weicher, was sich beim Gehen positiv auswirkt. Die vom Reifenhersteller Michelin entwickelte Sohle ist zwar nicht besonders stark profiliert, bietet aber auch bei Schiebepassagen in steilem Gelände sehr guten Halt. Northwave gibt außerdem an, dass die spezielle Gummimischung gegenüber dem häufig verwendeten TPU um 28% abriebfester sei.

 

Schutz vor den Elementen

Winterschuhe müssen vor allem zwei Dinge gut können: die Füße des Radfahrers warm und trocken halten. Northwave erreicht beides mit der Gore-Tex Koala Membran. Von außen hat Wasser keine Chance in die Schuhe einzudringen. Von den Füßen ausgehende Feuchtigkeit wird aber zuverlässig nach außen transportiert. Die Kombination beider Eigenschaften ist nach wie vor eine phänomenale Technologie. Die wärmenden Eigenschaften der Membran werden durch den Einsatz von Fleece an den Seiten und eine zusätzliche Isolierungsschicht an den Zehen ergänzt. Im Schaftbereich übernimmt Neopren die Aufgabe, Wasser möglichst komplett draußen und die Körperwärme drinnen zu halten.

Meine Erfahrungen mit dem X-Raptor

Während der letzten drei Wochen in diesem November hatte ich die Winterschuhe fast täglich an und auf über 500 Kilometern im Einsatz. Die meisten Fahrten waren auf Feldwegen zur Arbeit und zurück, außerdem waren Touren am Wochenende auf wechselnden Untergründen dabei. An meinem Winterrad Surly Disc Trucker fuhr ich die Northwave auf Shimano Pedalen XT PD-T8000. Diese Kombination funktionierte insofern sehr gut, als dass es sich auch bei längeren Fahrten kein Druckgefühl am Kontaktpunkt der Schuhplatte zum Pedal einstellte.

Auch insgesamt stellte sich der Tragekomfort als hervorragend heraus. Zu keinem Zeitpunkt drückten die Schuhe am Fuß, bei Ankunft am Zielort hatte ich es deswegen oft gar nicht so eilig, die Schuhe auszuziehen.

Zur individuellen Passform soll gesagt sein, dass meine Füße nicht unbedingt der Norm entsprechen. Sie sind schmal und die Fußgelenke dünn. Außerdem ist der linke Fuß etwas krumm geraten. Trotz allem sind diese Schuhe an meinen Füßen bequem und angenehm zu tragen. Nur der Schaft sitzt etwas locker, hier sollte ich mir für die ganz nassen Tage noch etwas einfallen lassen, was das Eindringen von Wasser verhindert. Die verwendete Schuhgröße ist 43,5, gegenüber meiner Straßenschuhgröße von 43. Da Northwave die Schuhe auch in halben Größen anbietet, sollte jeder und jede die passende Größe finden können. Wie immer gilt: Anprobieren, am besten vor Ort im Ladengeschäft! Und dabei auch den Platzbedarf von dicken Wintersocken bedenken.

Die Temperaturen in letzter Zeit waren zwischen 0 und 10 °C. Die X-Raptor Arctic GTX sind nach meinem persönlichen Empfinden hervorragend für diesen Temperaturbereich geeignet. Bei Verwendung mitteldicker Socken meldeten gelegentlich meine großen Zehen eine minimale Unterkühlung ans Gehirn. Das führe ich aber eindeutig auf eine schwache Durchblutung zurück und laste es nicht den Schuhen an. Bei niedrigeren Temperaturen werde ich zunächst dickere Socken bis hin zu Skisocken verwenden, bevor eventuell noch Überschuhe zum Einsatz kommen. Nasse Füße hatte ich trotz häufigen Regenwetters überhaupt nicht zu beklagen, hier haben die ausgewählten Materialien ganze Arbeit geleistet.

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Fazit

Die absoluten Härtetests – längere Fahrten bei Minusgraden oder eine Bachdurchquerung zu Fuß – stehen zwar noch aus. Ich bin aber zuversichtlich, dass die Schuhe sich auch dabei bewähren werden. Für mehrmaliges In-Hundekacke-Treten meinerseits können sie nichts, also gilt:
Ich bin ich sehr zufrieden mit den Northwave X-Raptor Arctic GTX. Sie werden mir bis zum kommenden Frühjahr noch viele kalte Radfahrten angenehmer machen. Hoffentlich auch in den Wintern danach!

Julian Zipperer
Ein Beitrag von: Julian Zipperer – HIBIKE Contact Center

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