Workshop: Wie kann ich meine Bike-Reifen auf Tubeless umrüsten?

Häufig werden wir gefragt, ob Tubeless wirklich besser ist, wie man seinen Laufradsatz auf Tubeless umrüsten kann und worauf man dabei achten sollte. Max von Maxalami und unser Bike Guru Rainer haben sich genau mit diesen Fragen auseinandergesetzt.
Im folgenden Artikel findet ihr alle Infos die ihr benötigt, damit auch ihr bald auf einen Schlauch verzichten und sorglos über die Trails oder die Straßen zischen könnt.

Vorteile: Warum sollte ich überhaupt Tubeless fahren?

Die Vorteile von Tubeless-Bereifung sind inzwischen allseits bekannt: Ein Tubeless-System bietet hohe Pannensicherheit und ist bei gewöhnlichen Durchstichen selbstflickend. Zudem verringert sich die rotierende Masse an der Außenseite des Laufrades. Zeitgleich ermöglicht ein schlauchloses Laufrad-System niedrige Luftdrücke, was zu besseren Traktions-, Abroll- und Dämpfungseigenschaften führt. Nicht zuletzt ist die Gewichtsersparnis zu erwähnen. Dank spezieller Reifen und Felgen gestaltet sich die Umrüstung inzwischen wirklich einfach.

Und doch hat Tubeless auch ein paar Nachteile: Denn bei großen Rissen in der Reifen-Flanke ist auch bei Tubeless Schluss. Sollte der Reifen ungewöhnlicher Weise z.B. nach Luftverlust in einer Extremsituation, mal von der Felge rutschen, ist er im Gelände meist nur schwer wieder aufziehbar und ein normaler Schlauch muss her. Hinzu kommt die Dichtmilch die in diesem Fall austritt und ihr Spuren hinterlässt.
Auch wenn das System äußerst pannenresistent ist: Für richtig große Löcher im Reifen ist ein spezielles Flickzeug nötig – wobei dieses wiederrum selbst sehr praktisch ist und deutlich weniger wiegt als ein Schlauch. Dieses Tubeless-Flickzeugt nennt sich z.B. „Maxalami“ – hierauf gehen wir  später ein.

Was benötige ich für eine Tubelessumrüstung?

Material:

  • Einen Laufradsatz, der „Tubeless Ready“ ist
  • Tubeless Felgenband in der korrekten Breite (ein luftdichtes Felgenband, das ins Felgenbett eingeklebt wird)
  • 2 Tubeless-Ventile
  • Reifendichtmittel (engl. Tire Sealant)
  • Reifen die „Tubeless Ready“ sind

Werkzeuge:

  • Reifenheber (aus Kunststoff, um den Reifenwulst nicht zu beschädigen)
  • einen Dorn oder ähnlich spitzes Werkzeug (zum Stechen des Ventillochs)
  • Kompressor (oft reicht eine Standpumpe)
  • Ventilschlüssel

Die Umrüstung auf Schlauchlos in einzelnen Schritten:

1. Luft aus dem Reifen lassen.
2. Mantel von der Felge ziehen.

Sollten bereits Tubeless-Reifen verbaut sein, lasse so viel Luft ab wie möglich. Tubeless Reifen sitzen oft sehr eng, drücke daher den Reifen aus dem Felgenbett in Richtung der Felgenmitte. Dort ist der Umfang der Felge kleiner und der Reifen lässt sich folglich leichter abziehen.

3. Schlauch entfernen
4. Felge reinigen:

Dies tust du am besten mit einem rückstandslos verdampfenden Lösemittel. (Entfettungs-Spray z.B. von Finish-Line/Waschbenzin/Feuerzeugbenzin) Auch Reste von vorherigem, nicht tubeless-fähigem Felgenband musst du entfernen.

5. Tubeless Band einkleben:

Achte dabei darauf, das Felgenband möglichst faltenfrei und mit ordentlich Spannung einzukleben. Fange circa 10cm vor dem Ventilloch an und überklebe das Ventilloch der Felge. Am Ende solltest du das Ventilloch um circa 10cm überkleben. Durch diese Überlappung ist sichergestellt, dass das Ventil dicht sitzt. Ausgenommen sind hier Mavic UST Felgen. Diese benötigen aufgrund ihrer Bauweise kein Felgenband!

6. Loch für das Ventil bohren:

Dabei ist wichtig, dass du einen spitzen Gegenstand mit geringem Durchmesser verwendest. So schmiegt sich später das Felgenband an das Ventil und dichtet besser ab.

7. Ventil einsetzen:

Drücke es dazu einfach durch dein vorgebohrtes Loch und kontere es von unten mit der beiliegenden Mutter.

8. Mantel aufziehen:

Bei manchen Tubeless-Reifen ist es einfacher, beide Reifenwulste gleichzeitig über die Felge zu ziehen. Bei anderen ist es nicht so. Da hilft nur ein wenig testen. Denke daran, die Reifenflanken mittig in der Felge zu positionieren. So geht es leichter.

9. Reifen Aufpumpen:

Wichtig! Du musst den Reifen so schnell wie möglich aufpumpen! Das geht entweder mit einem Kompressor, oft aber auch mit einer Standpumpe. Du kannst alternativ probieren, den Ventileinsatz vor dem Aufpumpen aus dem Ventil zu schrauben. So ist ein besserer Luftfluss möglich. Achte auch darauf, dass das Ventil zwischen den beiden Reifenflanken sitzt und du die Luft nicht „am Reifen vorbei“ pustest. Pumpe also so fest und schnell es geht, bis der Reifen mit einem „Klack-Geräusch“ in die Felge springt.

10. Ist dies geschehen und der Reifen sitzt gut, ist es an der Zeit die Luft wieder auszulassen.
11. Dichtmilch in den Reifen füllen:

Dies dichtet letzte Lecks zwischen Felge und Reifen, und Löcher im Falle einer Panne ab. Spätestens jetzt, musst du den Ventileinsatz aus dem Ventil drehen um die Dichtmilch einzufüllen. Verwende dazu einen Ventilschlüssel. Dieser liegt den meisten Tubeless-Ventilen bei. Dann kannst du die Dichtmilch, je nach Hersteller per Adapter-Schlauch oder Flaschenkopf einfüllen.

12. Nun kannst du den Reifen wieder aufpumpen.

Drehe und schwenke dein Laufrad um alle Achsen um letzte Lecks abzudichten und die Dichtmilch im Reifen zu verteilen.

Und was, wenn ich keinen Kompressor habe?

Wie bereits erwähnt, lässt sich ein Tubeless-Reifen oftmals auch ohne Kompressor aufziehen. Sollte es mit der klassischen Methode nicht klappen, gibt es eine Spezialmethode, bei der der vorhandene Schlauch dir weiterhilft:

  1. Schlauch wieder einbauen
  2. Aufpumpen bis der Reifen sich setzt (Klack-Geräusch)
  3. Luft wieder ablassen
  4. Den Reifen einseitig abziehen und den Schlauch entfernen. Dabei darauf achten, dass die andere Reifenseite im Felgenbett bleibt.
  5. Tubeless-Ventil einsetzen
  6. Erneut Aufpumpen

 

Dadurch, dass der Reifen nun auf einer Seite schon im Felgenbett sitzt, entweicht beim Aufpumpen weniger Luft. Dies erleichtert das Aufpumpen des Reifens.

Zu Rainers Video-Tutorial:


 


Doch auch wenn man tubeless unterwegs ist, kann es passieren: Ein großer Durchstich, die Dichtmilch schließt das Loch nicht und der Reifen ist platt.  Dann stellt sich die Frage:

Wie flicke ich einen Tubeless-Reifen?

Diese Frage hat sich auch der mehrfache deutsche MTB-Meister Max Friedrich gestellt und gründete kurzerhand Maxalami. Die Firma mit Sitz im Taunus hat sich auf das schnelle und einfache Flicken von Tubeless-Bereifung spezialisiert und bietet vom Tubeless-Flicken bis hin zu Dichtmilch viele gute Produkte rund um dieses Thema.

Bei der Maxalami handelt es sich um eine „Wurst“ aus Gewebe, die Löcher, die zu groß sind um vom Reifendichtmittel geschlossen zu werden, abdichtet.

Doch wie  funktioniert das Flicken mit der Maxalami? Hier eine Anleitung:

  1. Flicken auf 5cm kürzen. Dies kannst du schon vorher erledigen, so hast du im Notfall die Flicken in der richtigen Länge griffbereit.
  2. Loch lokalisieren und reinigen sofern nötig.
  3. Maxalami in das Einführwerkzeug einfädeln.
  4. Die Werkzeugspitze in das Loch einführen.
  5. Den Flicken bis kurz vor Ende in das Reifeninnere drücken.
  6. Das Werkzeug vorsichtig rausziehen.


Tubeless FAQ

Wie erkenne ich, ob mein Laufrad Tubeless geeignet ist?

Ob ein Laufrad Tubeless geeignet ist, lässt sich am einfachsten über die Herstellerangabe (z.B. auf der Website oder in der Gebrauchsanweisung) herausfinden. In vielen Fällen befinden sich auch Angaben auf dem Laufrad (Felgenaufschriften wie „Tubeless-Ready, Tubeless-Easy, TLR, for use with tubeless tires“). Falls du dir nicht sicher bist, kannst du dich an einen unserer Fachverkäufer wenden.

Wie finde ich die richtige Felgenband Breite?

Du fragst dich sicherlich, welche Tubeless Felgenband-Breite die Richtige für dich ist. Dazu benötigst du die Maulweite deines Laufrades. Anhand dieser kannst du herausfinden, welche die richtige Felgenbandbreite ist. Solltest du in die Situation kommen, dass es kein Felgenband für deine Felgenbreite gibt, greife zum nächst breiteren.

Wie oft muss ich Milch nachfüllen?

Das kann von Hersteller zu Hersteller variieren. Während manche Hersteller behaupten, ihre Milch überlebe ein ganzes Reifenleben, empfehlen andere Hersteller, alle 3-6 Monate nachzufüllen um das Austrocknen der Milch zu  verhindern. Sicher ist jedoch: Nach einer Panne mit großem Dichtmittelverlust, solltest du in jedem Fall Dichtmilch nachfüllen.

Kann ich einen Tubeless-Reifen auch ohne Kompressor aufziehen?

Auch das aufziehen eines Tubeless-Reifens ohne Kompressor ist möglich. Du findest dazu eine Spezialmethode im Artikel.

Was mache ich es wenn es beim Aufpumpen nicht klackt?

Wenn das „Klacken“ ausbleibt kann es sein, dass der Reifen nicht richtig ins Felgenbett gesprungen ist. Du kannst diesen Vorgang begünstigen, indem du die Reifenwulste vor dem Aufpumpen mit ein wenig Spüli einschmierst, da dass die Reibung zwischen reifen und Felge vermindert. Es gibt alternativ auch Reifenmontage-Flüssigkeiten von diversen Herstellern.

Wie oft muss es klacken?

Dazu kann man schlecht eine pauschale Aussage treffen. Nachdem es geklackt hat kannst du rund um den Reifen schauen, ob dieser schön in der Felge sitzt. Je nachdem ob, der Reifen mit einem Satz oder in mehreren kleinen Vorgängen auf die Felge rutscht, kann es einmal oder ganz oft klacken.

Brauche ich für jeden Laufradtyp ein Felgenband?

Nein, es gibt auch Felgen mit einem von Werk aus geschlossenem Felgenbett (z.B. Mavic UST Felgen). Diese benötigen kein Tubeless-Felgenband.


Wie merke ich, dass die Tubeless-Milch zu alt ist?

Tubeless-Milch kann mit der Zeit austrocknen. Ein guter Trick ist, das Laufrad etwas zu schütteln. Meist lässt sich so ein „Gluckern“/“Fließen“ der Dichtmilch feststellen, die sich im Reifeninneren bewegt, dann ist die Milch auf alle Fälle noch „frisch“. Wenn du allerdings die Angaben der Hersteller beachtest und regelmäßig nachfüllst, bist du auf der sicheren Seite.

Luca von Peschke
Ein Beitrag von: Luca von Peschke – Auszubildender bei HIBIKE

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