Kunststoff statt Gummi!? – Die neuen Schwalbe Aerothan Schläuche im Test

Schon vor einigen Jahren hatte Schwalbe sich an einem aus Kunststoff gefertigten Schlauch probiert, der zwar von Pannensicherheit und Gewicht her überzeugen konnte, allerdings von der Dichtigkeit her noch Luft nach oben lies. Doch statt das Projekt auf Eis zu legen, machte sich Schwalbe stattdessen daran ihren Kunststoff-Schlauch zu verbessern. Mit dem Ziel für jeden Fahrer, egal ob Schlauchreifen, Tubeless oder mit Schlauchsystem, die beste Lösung anbieten zu können, entwickelten sie die Aerothan Schläuche. „Einmalig leicht und extrem stabil“, soll der neue Schlauch sein. Was der aus dem speziellen thermoplastischen Poly­urethan gefertigte Aerothan Tube wirklich kann, hat Alessandra bereits für euch testen können.

Es gibt mittlerweile eine Menge Fahrradschläuche auf dem Markt. Die Versprechungen der Hersteller sind hoch und somit weiß man selbst nicht mehr, welcher Schlauch der Richtige für einen ist. Allerdings, und da stimmt sicherlich jeder zu, sollte das Fahrrad möglichst leicht bleiben und die Materialien den höchsten Grad an Stabilität bieten. Dies versprechen die neuen Schläuche von Schwalbe aus dem neuen thermoplastischen Polyurethan mit dem Namen „Aerothan“.

First Look und Montage

Verpackt ist er in einem kleinen, hochwertigen Karton, nicht größer als der Schlauch selbst und somit auch gut zu transportieren. Der Schlauch sticht durch seine Optik heraus: Keine Narben oder Erhebungen auf der Oberfläche. Bis auf die Stelle, an welcher das Ventil angebracht ist, ist er komplett schlüssig und glatt. Der Schlauch ist durchsichtig und mit einem schwarzen Scalverand-Ventil versehen. Auf einer Haushaltswaage wiegt er mit Verpackungs-Gummi 66g. 5g mehr als Herstellerangabe. Ich habe den Allround-Schlauch auf meinem Gravelbike mit 28 Zoll und 37mm Reifen getestet. Der 29″+ Schlauch brachte 121g statt der Herstellerangabe von 116g mit. Da Hersteller aber meist vom leichtesten gemessenen Modell ausgehen, kann es da natürlich zu Schwankungen kommen.

Mit der Montage von Schläuchen habe ich schon immer etwas Schwierigkeiten gehabt, aber ich muss sagen, dass ich mit dem Aerothan Schlauch sehr gut zurechtgekommen bin: Alter raus, neuer rein. Das Prozedere war sehr zeitsparend. Der Schlauch ließ sich sehr gut um die Felge legen. Perfekt für einen schnellen Reifenwechsel im Falle einer Panne. Gewöhnungsbedürftig war, dass die Oberfläche des Ventils auch glatt ist. Man kann dieses also, im Gegensatz zu anderen Ventilen, nicht mit einer Mutter von außen festziehen und an der Felge fixieren. Dementsprechend muss auch beim Aufsetzen der Luftpumpe das Ventil von außen an die Felge gedrückt werden.

Interessant war, das der von uns ebenfalls für Testzwecke montierte MTB-Schlauch für 29″+ fast zu klein für das Laufrad wirkte. Man hätte gefühlt eine dritte Hand gebraucht, um den Schlauch beim aufziehen des Mantels ins innere des Reifens zu bekommen. Wenn der Schlauch dann aufgepumpt ist, kann das Fahren dann sofort losgehen.

Der Schwalbe Aerothan Schlauch in der Praxis

Zum Testen fuhr ich einige größere, aber auch kleinere Pendler-Touren. Der Bodenbelag war dabei sehr abwechslungsreich: Von Matsch, Sand, Asphalt bis hin zu steinigen Wegen war alles dabei. Optimale Testbedingungen! Den größten Unterschied habe ich auf den steinigen Wegen bemerkt, da sich hier meiner Meinung nach eine bessere Dämpfung gezeigt hat und der Fahrkomfort so wesentlich höher würde. Das geringere Gewicht konnte ich an meinem Gravelbike nicht auf Anhieb wahrnehmen.

Fazit

Bezüglich der Haltbarkeit denke ich, dass der Schlauch hält was er verspricht. Ich hatte keine Platten während des gesamten Testzeitraums, und das trotz geringerem Luftdruck auf verschiedensten Untergründen. Zusammenfassend bin bisher sehr zufrieden mit dem Schlauch und werde ihn auch weiterhin fahren. Sollte sich etwas daran ändern werde ich euch auf dem Laufenden halten.

Über die Schwalbe Aerothan Linie

Neben dem, von uns getesteten, Allround-Tube gibt es natürlich noch andere Ausführungen des Aerothan Schlauchs. Sowohl fürs Rennrad als auch für 27,5″/27.5″+ und 29″/29″+ Bereifung gibt es ebenfalls passende Modelle. Die Tatsache, dass der Schwalbe Aerothan Schlauch ein extrem geringes Packmaß mit sich bringt, macht ihn besonders im MTB-Bereich sehr attraktiv als platzsparenden Ersatzschlauch, falls das Tubelessystem mal dem „Spontantod“ sterben sollte. Leider ist der Schwalbe Aerothan Schlauch nach einmaligem Einbau allerdings dauerhaft verformt und kann im Nachhinein nichtmehr einfach wieder auf das kleine Packmaß zusammengerollt und wiederverwendet werden. Auch mit Dichtmilch sollte der Schlauch nicht dauerhaft in Kontakt stehen, was das erneute Öffnen und Reinigen des Systems nach einer Tubelesspanne auf Dauer unumgänglich macht. Dass er laut Schwalbe sogar bei Luftdrücken um ein Bar problemlos gefahren werden kann, macht den Aerothan alerdings für diesen Einsatzzweck sogar nochmals interessanter. Grade auch für MTB’ler die bisher mit Schlauch unterwegs waren, und den Aerothan als normalen Schlauch verwenden wollen, eröffnet er ganz neue Möglichkeiten und sogar tubelessähnliche Luftdrücke.

 
Wie sich der Schwalbe Aerothan Schlauch auf dem Trail und in der Praxis schlägt und ob er sich gerade unter Fahrern mit Schlauchsystemen gegen die altbewährten Butylschläuche durchsetzen kann, oder gar zur Go To Variante unter den „Schlauchfahrern“ entwickelt, bleibt abzuwarten.

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Schwalbe Aerothan Schläuche

2 thoughts on “Kunststoff statt Gummi!? – Die neuen Schwalbe Aerothan Schläuche im Test

    1. Hallo Oliver,
      die Aerothan Schläuche sind mit den Schwalbe Glueless Patches flickbar. Das der Schlauch hochpreisig ist, ist unabstreitbar. Vergleichen wir allerding mit Konkurenzprodukten anderer Hersteller befinden wir uns in ähnlichen Preisbereichen und das bei, laut Schwalbe, wesentlich höheren Stabilitätswerten. Ob du das Geld ausgeben magst ist natürlich ganz dir überlassen.

      Liebe Grüße
      Luca – HIBIKE Marketing

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